Tag 1

„Ich war jung und hatte kein Geld“ – so fing meine „Trampkarriere“ an und außerdem wollte ich ein Abendteuer erleben. Einer der letzten unserer Zeit, wie jemand mir mal sagte. Mit meinem Bruder bin ich dann durch Europa und irgendwann mit einer Freundin durch Frankreich. Hmm, das war eigentlich auch erst letzten Herbst.

In der Wintetpause beschlossen mein Bruder und ich dann, dass ein Tramprennen eine wirklich coole Sache wäre und begannen unsere Freunde dafür zu begeistern. Es hat erstaunlich gut funktioniert und irgendwann hatten wir 4 Teams zusammen.

Nun sollte es endlich los gehen!

Louis, mein Teampartner war schon am Abend zuvor zu uns gekommen, ebenso wie die Teampartnerin von meinem Bruder. Eine kurze Nacht später standen wir um sieben Uhr auch schon wieder auf, machten uns fertig und auf gings zu unserem Startpunkt. Um 8.30 Uhr fiel der imaginäre Startschuss.

Es war zunächst ernüchternd. In unserem Kaff an der zugelosten Stelle fuhr nicht ein Auto entlang. Wir also einsam und verlassen in der Pampa, aber kaum 2 km von der Autobahn entfernt. Die Leute sind jedoch nett bei uns in der Gegend und nach zehn Minuten hielt auch das wahrscheinlich zehnte vorbeikommende Auto für uns an. Ein Vater hatte für seine Familie Brötchen gekauft und fuhr nun zurück in seinen Ort. Der Weg führte an der Autobahnauffahrt vorbei.

Wenige Minuten später standen mein Team noch mehr im Nichts, aber auch dieses Mal hielt ein nettes Paar nach nur zehn Minuten. Hätten Louis und ich gwollt, wir wären bis nach Berlin gekommen. So ließ man uns in Ville Ost heraus, wo die Suche erneut begann. Mehrere Menschen sagten uns, der Platz sei für Belgien sehr ungeeignet und wir überredeten ein Paar, uns in Frechen abzusetzen. Wir fanden schnell ein nettes, etwas älteres Paar, welches uns an besagter Stelle absetzte. Dort erhofften wir uns mehr Glück, um schnell in Richtung A4 – Belgien zu kommen. Nach eineinhalb Stunden hielt ein weißer SUW (wird das so geschreiben?) und der Weg nach Düren war geebnet. Der Livestandort in unserer Gruppe: abgeschlagener letzter Platz.

Egal, es ging schnell mit einer freundlichen Frau nach „Aachener Land“ und wir begenteten Merle und Philipp. Schnell etwas gequatscht und dann etwas weiter nach hinten, denn wir wollten keine Konkurenz darstellen – die beiden waren vor uns da. Es ging sehr schnell, eine weitere Mitfahrgelegenheit zu finden und das liebenswürdige alte Ehepaar versorgte uns mit Keksen und Würstchen. Platz drei – unser Team hatte aufgeholt! Aber das Glück blieb nicht auf unserer Seite und wir drifteten nach Frankreich ab. Aber der Reihe nach.

Der Mann sagte: „Klar nehme ich euch mit, schmeiße euch aber vor Brüssel wieder raus.“ Der gute Herr streifte Brüssel jedoch nicht im Ansatz und fuhr gegen Süden in Richtung Paris. Falls er selbst überrascht war, zeigte er es nicht und schlug eine alternative Route vor. Der Plan war okay, wir stiegen am entsprechendem Rastplatz aus und schrieben „LILLE“ auf das Schild. Soweit so scheiße, mit dieser Position würden Louis und ich eimdeutig verlieren. Es sollte noch schlimmer kommen. Ein Franzose, der jedoch nicht mal vernünftig Französich sprach, hielt irgendwann an und meinte, er führe nach „LILLE“. Doch schon auf der Ausfahrt sagte er, dass sein Ziel Reims sei und fuhr ebenfalls in Richtung Paris. Louis und ich versuchten im Folgendem herauszukriegen, wo er wirklich hin wollte, denn an einer Stelle sagte er, er führe in unsere Richtung, nahm aber eine andere Richtung. Wir waren frustriert.

Nina und Demian kamen als erste am Ziel an. 14.15 Uhr.

Wir wollten einfach nur noch raus und ließen uns an einer mini Raststätte rauswerfen. Der Typ verließ nicht einmal vernünftig die Autobahn für uns.

Im Folgendem liefen wir 7 km zu Fuß zu unserer Autobahn zurück.

Das war unser Weg zurück zur Richtigen Autobahn. Sehr idyllisch, sehr einsam sehr lang.

Irgendwann war es dann endlich soweit und nun sollte es auch endlich wieder weitergehen wie ich es bisher kannte. Freundliche und hilfsbereite Menschen, die uns mit der nötigen Portion Glück an die richtigen Stellen brächten.

Philipp und Merle erreichten das Ziel, weil die andere Gruppe im Entspurt in die falsche Richtung getrampt war. Sie hatten das falsche Ziel im Kopf gehabt und dabei total die falsche Richtung eingeschlagen. Anstatt nach Süden trampten die beiden nach Norden. Im Nachhinein gesehen sehr lustig.

Von nun an haben Louis und ich im übrigen kein Wort Englisch mehr geredet, denn dieses mal bestätigte sich das Klischee, das Franzosen kein Deutsch reden. Louis sprach kein Französich und ich mutierte zur Sprecherrin, die sich begeisterg in ein-Wort-Sätzen kaum zu verständigen wusste. Aber zurück zur Route.

Es hielt eine Frau mit Tochter, die doch tatsächlich zum Fahren ihren Hund auf den Schoß nahm. Obwohl sie ebenso so schlecht wie der merkwürdige Typ zuvor kein Englisch sprach, verstand sie, wo wir hin wollten und ließ uns an geeigneter Stelle wieder heraus. Nach Lille nahmen uns ein freundlicher Herr mit und von dort aus ein tattoowiertes Ehepaar. Wir haben niemals länger als 10 Minuten gewartet.

Nina und Sebastian erreichten auch nach ihrer Irrfahrt das Ziel.

Dieses tattoowierte Paar erzählte uns, dass bei ihnen manchmal die Polizei stehe und Tramper wegschicke und genau in dem Moment, in dem wir die Autobahn verließen sahen wir rechts von uns Tramper, die von der Polizei weggeschickt worden. Hundert Meter weiter wurden wir rausgelassen und keine zehn Minuten später saßen mein Team bei einer unglaublich lieben Frauim Auto und fuhren nach Dünkirchen. Mit ihr konnte ich sogar ein bisschen Französich reden, weil sie unglaublich langsam sprach. Also extra für mich. Sie brachte uns bis zum Strand.

Louis und ich genossen kurz das gute Wetter, drehten uns um und machten, dass wir nach Kokjijede kamen. Nach einer halben Stunde Weg und einer weiteren halben Stunde Warten hielt ein Paar, kaum älter als wir und brachte uns bis nach Koksijede zum Strand. Natürlich sprachen sie kein Wort englisch. Egal! Sie waren suöer lieb und hilfsbereit uns zu unserem Ziel zu fahren. Dafür fuhren die beiden sogar einen Umweg.

Wir erreichten nach 12 Stunden, über 500 km, zu vielen Länderpunkten (was bitte wollten wir in Frankfeich?!), 13 Mitnehmern um 20 Uhr auch endlich das Ziel.

Wir wurden von den anderen herzlich empfangen und erlebten sogar noch den Sonnenuntergang.

Das ist mein Bett und glücklicherweise kann ich oben schlafen. Ich bin zufrieden.

Alles in allem haben wir zwar nicht gewonnen, aber dank der zwei Typen, die einfach nicht richtig gefahren sind, obwohl sie es sagten, haben wir die spannenste Geschichte zu erzählen 😉

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mama
2 Jahre zuvor

Ich bete, dass es auf d. Rückfahrt besser – für alle – klappt!