Die Feuersturm Klippe

Ich stand an der Klippe, die raue See, weit unter mir, schlug mit ihrer unbändigen Kraft gegen die rauen Felsen und schleuderte die weiße, schaumige Gischt meterhoch in den verregneten Himmel.
Der stürmische starke Wind peitschte mir unnachgiebig den kalten, salzig schmeckenden Regen ins Gesicht, doch ich bemerkte all das nicht und starrte in das wütende Treiben unter mir.

Erbarmungslos schlugen die Wellen gegen die Klippe. Heiße Tränen rannen meine blassen Wangen runter, aber starr stand ich im Unwetter und konnte mich nicht bewegen. Meine dünne Kleidung war völlig durchnässt, doch auch das nahm ich nicht wahr.
Ich bemerkte irgendwann, wie jemand hinter mich trat, doch ich schaute weiter in das trübe Chaos unter mir, konnte meinen Blick nicht abwenden „Was hast du getan?“ Es war ein fassungsloses, verzweifeltes Flüstern, kaum zu hören, doch der Satz, vier Wörter, 14 Buchstaben, sie hämmerten sich in mein Gehirn, während an meinen Wangen immer mehr Tränen runterliefen „Wo ist…?“, ihre Stimme brach und ich hörte, wie sie heftig aufschluchzte.

Was hatte ich getan?
Verwirrt drehte ich mich endlich zu ihr um und wandte der wütenden See meinen Rücken zu. Wortlos nahm sie meinen Arm und führte mich vom Klippenrand weg.

Meine Augen blitzten, trotz meines Schocks, wie Feuer, ich war noch nicht fertig. Ich entwand mich ihrem Griff, stolperte einige Schritte zurück und blieb stehen. Sie blickte mich fragend an, doch als sie meine blitzenden Augen sah, wich auch sie entsetzt einige Schritte zurück. „Was ist bloß los mit dir?“ schrie sie in den heulenden Wind, der Regen wurde stärker, viel stärker. Wut, ich spürte sie immer noch, nur diese unbändige, tobende Wut in mir.
Wir standen minutenlang einfach nur da, der Sturm und Regen wurden stärker, noch stärker, er wurde zu einem Orkan, der den Wind kreischen ließ. Er peitschte über uns hinweg und riss an uns, er wollte uns haben, doch wir beide, allein, neben dem Abgrund, der peitschenden See, waren hier noch nicht fertig. „Bitte“ flehte sie, doch  der Wind verschluckte ihre verzweifelten Worte und ich sah nur ihre sich bewegenden Lippen. Ich wollte ihr antworten, aber aus meinem ausgetrockneten Mund kann kein einziger Laut.

Ich blickte auf meine rechte Hand, öffnete meine geschlossene Faust und betrachtete den grün schimmernden Stein, der an einer Lederschnur zu einer Kette gebunden worden war. Ich ging die wenigen Schritte, die sie und mich trennten, auf sie zu und nahm ihre zitternde Hand. Während ich ihre eiskalten Finger öffnete, schaute ich in ihr schönes, trauriges Gesicht „Es tut mir so leid“ Es war nur ein dünnes Krächzen. Ich legte den Stein ihn ihre Hand und schloss ihre Finger wieder „Er wollte es nicht anders.“ „Aber warum?“ „Das verstehst du nicht“ keiner von uns hatte ein einziges Wort gesagt, aber der stille Dialog sprach eine eigene Sprache, eine, die uns so lange verbunden hatte.

Ich schaute ihr noch ein letztes Mal in die von den Tränen leuchtenden Augen, die ihren Glanz verloren hatten und wandte mich zögernd von ihr ab. Meine unbändige Wut wurde nach und nach von Trauer überschwappt, doch es gab noch etwas, dass ich erledigen musste, ich musste meine Schuld begleichen. Ich wusste nicht, ob ich zurückkam. So stapfte ich den engen Klippenfahrt hinunter, weg von dem Ort, an dem ich mein altes Leben zurückgelassen hatte.

Aber das Feuer in meinen Augen loderte noch lange…

Der tragische Unfall des jungen Bennet konnte nie ganz geklärt werden und sein Freund, mit dem er an diesem Verhängnisvollen Nachmittag auf das Firestorm-Cliff gestiegen war, wurde ebenfalls nie wieder gesehen. Einzig ein grüner Stein erinnert an die beiden Jungen, er wurde auf dem Firestorm-Cliff im Gras gefunden, als nach den Beiden gesucht wurde. Die beste Freundin der beiden verlor an diesem Tag ihre Stimme und sprach seitdem nie wieder ein Wort, doch kurz vor ihrem Tod verfasste sie ein Lied, das sie den beiden Freunden widmete.

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